Die Informationstechnologien stellen einen der sich am dynamischsten entwickelnden russischen Wirtschaftszweige dar, in dem beträchtliche finanzielle und intellektuelle Ressourcen konzentriert sind. In Bezug auf viele Zahlen gehören die russischen IT-Unternehmen zu den europäischen Marktführern und einige von ihnen kann man zu den weltweit führenden Firmen in ihrem jeweiligen Bereich zählen.

Allein auf dem Binnenmarkt betrug das Verkaufsvolumen der IT-Unternehmen in Russland 2012 über 600 Mrd. Rubel (ungefähr 20 Mrd. Dollar), und das ohne Berücksichtigung der Lieferung von Telekommunikationszubehör und Büro- und Mobilgeräten. Die Einnahmen aus dem Verkauf von Geräten betrugen über 350 Mrd. Rubel, weitere 120 Mrd. Rubel entfielen auf Software und 150 Mrd. Rubel auf Dienstleistungen im IT-Bereich.

In der Branche der Informations- und Kommunikationstechnologien sind relativ wenige Menschen beschäftigt, etwa 300.000 Menschen, doch das sind größtenteils hochqualifizierte Fachkräfte mit Einkommen, die deutlich über den mittleren Zahlen der Wirtschaft liegen. Dabei sind Spezialisten zur Wartung der Informationsinfrastruktur in gewöhnlichen Unternehmen (zum Beispiel Systemadministratoren) noch nicht miteinberechnet, deren Zahl ebenfalls einige hunderttausend Menschen ausmacht.

Historische Entwicklung

Die Branche der Informationstechnologien und der Herstellung entsprechender Geräte hat sich in der UdSSR ungefähr um die gleiche Zeit ausgebildet wie in den übrigen Industrienationen. Mit dem Entwerfen eigener elektronischer Rechenmaschinen begann Ende der 40er Jahre des letzten Jahrhunderts, wobei sich dem Prozess mit jedem Jahr mehr Menschen anschlossen und die Entwicklung verschiedener Rechenmaschinen im Institut für Feinmechanik und Rechentechnik stattfand, das 1948 speziell zu diesem Zweck gegründet worden war, sowie im Labor für Elektrosysteme des Energieinstituts bei sowjetischer Akademie der Wissenschaften (im Weiteren Institut für elektronische Steuergeräte) und einer Reihe geschlossener Konstruktionsbüros. Es wurden auch Unternehmen gegründet, die EDV-Geräte herstellten, wie zum Beispiel die Fabrik für Rechen- und Analysemaschinen in Kasan.

In den 1960er Jahren gewann die Entwicklung der Informationstechnologie in der UdSSR weiter an Fahrt – so wurde zum Beispiel das Institut für Kybernetik bei Akademie der Wissenschaften UdSSR gegründet. Und 1962 legte ein Erlass des Ministerrats der UdSSR den Grundstein für die Entstehung eines Informationstechnikclusters in Selenograd, das inoffiziell auch als „sowjetisches Silicon Valley“ bezeichnet wurde, weil dort die Entwicklung und Herstellung vieler einheimischer Rechner konzentriert war. Die Programmierung entwickelte sich genauso aktiv, da mit der Zahl der Rechner auch die Zahl der angewandten Aufgaben stieg, die mit ihrer Hilfe gelöst werden konnten.

Ende desselben Jahrzehnts begann eine allmähliche Umorientierung der Branche auf die Herstellung von elektronischer Rechentechnik führender Unternehmen, insbesondere des Unternehmens IBM. Das hing damit zusammen, dass es zu dem Zeitpunkt in der Sowjetunion ungefähr 20 verschiedene Computermodelle gab, die untereinander nicht kompatibel waren, was die Programmierung erheblich erschwerte. Es war ein einheitlicher Standard nötig, der es erlaubte, nicht nur die Kosten für die Entwicklung und Wartung der Rechner zu senken, sondern auch mit den führenden Ländern mitzuhalten. Im weiteren Verlauf wurden in der UdSSR, trotz einer Reihe eigener Entwicklungen, vor Allem die führenden Entwicklungen amerikanischer und europäischer Unternehmen kopiert, sowohl im Hardwarebereich (EDV-Geräte, Mikroprozessoren, Speichergeräte und so weiter) als auch im Softwarebereich (in der Sowjetunion wurden solche Programmiersprachen wie Basic, Fortran, Pascal und andere verwendet).

In den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts, ebenfalls fast gleichzeitig mit anderen Industrienationen, begann die Produktion der ersten Personal Computer, und zwar mit eigenen Konstruktionen. Sie schafften es bis zum Ende des Jahrzehnts in den offenen Verkauf und man muss anmerken, dass die sowjetischen PCs in ihrer Produktivität der Mehrheit der amerikanischen und europäischen Modelle dieser Zeit in nichts nachstanden. Diese Computer wurden auch für das Abhalten von Informatikstunden an den Schulen verwendet, obwohl die Unterrichtskomplexe von Yamaha mit dem MSX-Standard sich größerer Beliebtheit erfreuten.

 
 

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